Der Königshof Hasselfelde

Die Königshöfe in den Harzbergen dienten vorrangig der Sicherung der Wege und dem Schutz reisender Händler, aber auch der Verwaltung der königlichen Güter. Da der Bannforst weiter bestand, waren diese Plätze mit Sicherheit auch Aufenthaltsorte königlicher Jagdgesellschaften, daher werden sie in der Literatur auch oft als Jagdhöfe bezeichnet. Deren Funktion war es, beim Besuch des Königs mit seinem Gefolge für deren Unterkunft, Verpflegung und Ausrüstung zu sorgen. Solche Aufgaben erforderten eine gewisse Infrastruktur, daher entstanden im Umfeld der Höfe Siedlungen für Handwerker, Knechte und Mägde, in denen vor allem Feld- und Holzwirtschaft betrieben sowie Werkzeuge und Geräte repariert bzw. hergestellt wurden. Denkbar ist auch, dass diese Königshöfe mit fortschreitender Zeit administrative Funktionen für den entstehenden Bergbau, die Verhüttung und die Holzverkohlung übernahmen.

Aufgrund seiner zentralen Lage hatte HasselfeIde für den Verkehr durch den Harz eine besondere Bedeutung. Hier kreuzte sich die Ost-West-Verbindung "Hoher Weg" mit dem "Trockweg", der von Norden nach Süden verlief. Diese strategische Lage spricht dafür, dass Hasselfelde seit seiner Gründung sowohl königlicher Jagdhof als auch Raststätte für den Handelsverkehr gewesen ist. Die genaue Lage des Königshofes konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Wahrscheinlich befand er sich auf dem Ende des Höhenrückens, früher auch Sperlingsberg genannt, auf der Ostseite der heutigen Kirche. Diese Vermutung wird bekräftigt durch die Straßennamen "Mönchestraße" und "Kittelstraße", wenn man davon ausgeht, dass mit dem Rückgang der königlichen Zentralgewalt unter Heinrich IV (1056 -1106, Kaiser ab 1084) und der Entstehung des Lehnswesens der Königshof mehr zum Zentrum kirchlicher Aktivitäten wurde. Bischof Burchard II. von Halberstadt (1059 - 1088) hatte Ende des 11. Jahrhunderts alle sechs Gaugrafschaften in seiner Hand und vergab die Grafschaftsrechte als Lehen. Dabei wird er auf eine Stärkung der Kirche geachtet haben, zumal er ab 1073 ein erbitterter Gegner des Kaisers und der deutschen Zentralgewalt war.
 
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