Hasselfelde während der Weltkriege

Nach dem 1. Weltkrieg änderte sich das Leben in HasselfeIde dramatisch durch die Elektrifizierung und Motorisierung. Ein entscheidender Schritt in die Moderne war 1921 die Einführung des elektrischen Lichts, das zuerst durch einen 45 kW Generator, getrieben durch die Dampfmaschine eines Sägewerks, am Ort erzeugt wurde. Bald danach erfolgte dann 1925 der Anschluß an eine Überlandleitung. Was die Motorisierung betrifft, so stellte man bereits zu Pfingsten 1922 fest, dass "der Verkehr mit Autos, Motorrädern und Zweirädern recht stark war". In den folgenden Jahren wurden die Pferdekutschen durch Postautos mit Plätzen für Mitreisende und Buslinien ersetzt. Auch in der Stadt und der näheren Umgebung wurden ab 1920 vorhandene Anlagen wieder gepflegt und erweitert. Hotels und Cafés erhöhten ihre Qualität und trugen somit zur Verbesserung des Erholungsangebots bei. Eine besondere Touristenattraktion wurde das im Jahre 1927 eingeweihte Waldseebad. Mit einem Hektar Wasserfläche war dieses Freibad eine herausragende Anlage im Harzgebiet. Dies gilt auch heute, nach dessen Erneuerung im Winterhalbjahr 1993/94. Dem Badegast wird reines Naturwasser in guter Qualität ohne Zusätze geboten, denn die im Teich wachsenden Wasserpflanzen bewirken eine natürliche Reinigung.

Das Waldseebad in Verbindung mit dem Hoyerteich wurde in den späten 20er Jahren zu einem Erholungsgebiet für Einheimische und Erholungssuchende, in dessen Umkreis in der Folgezeit die "Waldkrone", das "Eiskaffee" und weitere Häuser errichtet wurden. Diese waren der Ursprung des heutigen Stadtteils Rotacker. Die ersten Einfamilienhäuser entstanden dort nach dem Ende des letzten Weltkrieges in der zweiten Hälfte der 40er Jahre. Von den 50er bis in die 80er Jahre herrschte dort eine rege Bautätigkeit, die ergänzt wurde durch die Errichtung des Betriebsferienheimes "Blauvogel", aus dem nach der Wende das heutige Feriendorf "Blauvogel" entstand.

Die politischen Epochen der Neuzeit gingen an Hasselfelde nicht spurlos vorüber, wobei die Folgen des 2. Weltkrieges die mit Abstand tiefsten Veränderungen bewirkten. Waren die Verluste während des ersten Weltkrieges noch moderat (Gedenkstein auf dem Marktplatz), so veränderte der 2. Weltkrieg die Bevölkerungsstruktur dramatisch. Erstens kehrten viele Männer nicht mehr aus dem Krieg zurück und zweitens gab es nach Ende des Krieges den Zuzug von zahlreichen Vertriebenen aus Ostgebieten, die aufgenommen und integriert werden mußten.

Für die Stadt war besonders das Ende des Krieges dramatisch und viele Häuser wurden beschädigt, selbst einzelne Verluste unter der Zivilbevölkerung waren zu beklagen. Amerikanische Truppen eroberten HasselfeIde am 17. April 1945. Die Kämpfe um die Stadt dauerten mehrere Tage, da die umliegenden waldbedeckten Berge eine gute Verteidigungsstellung für die letzten SS-Truppen boten und der Harz zur Festung erklärt worden war. Nach etwa 2 Monaten amerikanischer Besetzung kamen britische Besatzungstruppen, die aber schon im Juli 1945 von sowjetischen Truppen abgelöst wurden. Damit endete auch die Zugehörigkeit der Stadt zum Land Niedersachsen. Bis Kriegsende gehörte Hasselfelde zum Kreis Blankenburg und dieser war Bestandteil des Herzogtums Braunschweig und damit Teil Niedersachsens. Durch das Potsdamer Abkommen der Siegermächte vom 02. August 1945 wurden etwa zwei Drittel der Fläche des Kreises Blankenburg der sowjetischen Besatzungszone zugeordnet, aus der dann 1949 die Deutsche Demokratische Republik entstand. Am 30.06.1950 wurde der Kreis Blankenburg endgültig aufgelöst und auf die Kreise Wernigerode und Quedlinburg verteilt. Bis zum Juli 1952 gehörte HasselfeIde zum Kreis Quedlinburg, danach wurde die Stadt im Zuge einer Verwaltungsreform dem Kreis Wernigerode zugeordnet.
 
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