Trotz der großen Bedeutung des Holzes für Hasselfelde
lebte bis etwa 1870 der weitaus größte Teil
der Bevölkerung ausschließlich oder im Nebenerwerb
von der Landwirtschaft und dem Fuhrwesen. Dabei wurde
die Feldmark ständig vergrößert und der
Wald mehr und mehr von den Stadtgrenzen zurückgedrängt.
Wenig fruchtbare Flächen in der Nähe der Stadt
dienten der Weidenutzung. Als Mitte des 19. Jahrhunderts
die ersten "Sommerfrischler" aus den Industriestädten
den Harz aufsuchten, schöpften die Harzorte Hoffnung
auf eine neue wirtschaftliche Belebung. Sie begannen sich
zu "verschönern", um den Gästen einen
angenehmen Aufenthalt zu bieten. In diesem Sinne legte
die Stadtverwaltung (Magistrat) im Jahre 1870 eine erste
"Promenade" am Käseberg an. In den folgenden
Jahren und Jahrzehnten entstanden weitere Promenadenwege
am Rabenstein, an der Blankenburger Straße, am Küsterberg,
am Kirschenberg sowie später zwischen Bahnhof und
Waldseebad, und es wurden Bepflanzungen zur "Verschönerung"
der Stadt durchgeführt. Im Jahre 1890 sprach der
damalige Bürgermeister von Stutterheim von einer
"jährlich zunehmenden Reiselust" und schlug
vor, HasselfeIde zu einem "Luftkurort" zu machen.
So wurden Ende des 19. Jahrhunderts die Grundlagen für
den Tourismus geschaffen, und man hoffte, dass dieser
sich zu einem einträglichen Geschäft für
die Stadt entwickeln würde. Mit der Einweihung des
Bahnhofs HasselfeIde am 01.05.1892 erwartete man den großen
Urlauberstrom, der die neu geschaffenen Anlagen nutzen
sollte. Um einen ersten einladenden Eindruck zu vermitteln,
schuf man den Bahnhofsvorplatz und prägte denselben
1904 mit dem Blumenau-Denkmal. So entstand am Bahnhof
ein zweites Stadtzentrum. Außerdem wurde die damalige
Weststraße beim Wiederaufbau nach dem letzten großen
Stadtbrand 1893 begradigt und in Bahnhofstraße umbenannt.
Nach der Jahrhundertwende wurde auch das Friedhofs- und
Schulwesen durch neue Anlagen und Neubauten wesentlich
verbessert. Mit der Einweihung des neuen Aussichtsturms
auf der Karlshaus-Höhe im Jahre 1901 erreichte diese
Entwicklung einen gewissen Höhepunkt. Es gab damals
zwei Hotels und sieben Gastwirtschaften. Man konnte mit
der Pferdekutsche in alle Richtungen des Harzes fahren,
so z.B. auch in einer Zweitagestour zum Brocken. Postkutschen
verkehrten nach Blankenburg sowie zur Tiefenbachmühle,
um den Anschluß zur Harzquerbahn von Nordhausen
nach Wernigerode herzustellen. Ein weiterer effektiver
Ausbau der für den Fremdenverkehr erforderlichen
Infrastruktur ließ dann jedoch zu wünschen
übrig, möglicherweise sogar aus Mangel an finanziellen
Mitteln...