Die Zerstörung Hasselfeldes

Diese viel versprechende Entwicklung wurde jäh durch einen Überfall des Grafen Heinrich von Hohnstein unterbrochen, der im Jahre 1346 die Stadt völlig zerstörte. Die Hintergründe dafür sind in einer Fehde zwischen den Grafen Albrecht und Bernhard von Regenstein und dem Hohnsteiner Grafen zu suchen. Hasselfelde war lange zuvor zwischen 1192 und 1238 bei einer Neuverteilung des Lehnsbesitzes der Regenstein/Blankenburger Grafen an den Regensteiner Zweig des Grafenhauses gefallen.

Ab etwa 1343 versuchten sich die Hohnsteiner und Regensteiner gegenseitig zu schädigen, und obwohl es 1346 in Aschersleben zu einem Landfrieden zwischen den betroffenen Herzögen, Bischöfen und Harzgrafen kam, wurde noch im gleichen Jahr Hasselfelde zerstört. Eine denkbare Ursache könnte auch die jahrzehntelange Fehde zwischen den Regensteiner und dem Bischof Albrecht II. von Halberstadt gewesen sein. Der Hintergrund aber war gewiß die allgemeine Rechtsunsicherheit im Reich, denn der deutsche König Ludwig IV. (1314- 1347) war vom Pabst mit dem Bann belegt worden und die Kurfürsten hatten als Gegenkönig Karl IV. (1346-1378) gewählt.

Aufgrund dieser Situation hatten die Hohnsteiner keine Strafe zu befürchten. Von einer Sühne ist dann auch nichts bekannt geworden, obwohl die Regensteiner Grafen beim Reichsgericht Klage wegen der Zerstörung der Stadt erhoben hatten. Von diesem Rückschlag erholte sich der Ort nur sehr langsam, zumal auch der Bergbau im 14. Jahrhundert an Bedeutung verlor. Hasselfelde musste einen Teil seiner Stadtrechte an das Amt Stiege abtreten, wo die Regensteiner Grafen im 14. Jahrhundert die ehemalige Burg in ein Schloß und Herrensitz umgebaut hatten.

Die Reformation und die Bauernkriege 1525 und 1526 brachten wieder unruhige Zeiten für die Harzbewohner. Die Hasselfelder hatten wenig Schutz, da die 1346 zerstörte Stadtmauer nicht wieder aufgebaut worden war. Im Jahre 1559 vernichtete wiederum eine Feuersbrunst sowohl die Stadt als auch die Kirche, wobei alle Unterlagen über die frühe Geschichte des Ortes verbrannten. Erst 1582 erhielt der Ort die Stadtrechte zurück. Nach dem Aussterben des Blankenburger Grafenhauses 1599 gehörte Hasselfelde zum Herzogtum Braunschweig Lüneburg. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) stürzte Hasselfelde wieder in größere Not. Die evangelischen Länder des Herzogs wurden 1625 bis 1628 von Wallensteins Truppen ausgeraubt.

So wird berichtet, dass 1626 die Kaiserlichen Hasselfelde plünderten und 140 Pferde raubten. Auch die Pest wütete 1625 im Ort. Nach dem Sieg der Schweden bei Lützen 1632 erhielt der Herzog von Braunschweig sein Land wieder zurück, der folgende Kleinkrieg zwischen schwedischen und kaiserlichen Regimentern aber brachte den Harzbewohnern weitere Plünderungen und Grausamkeiten. Mit den "Harzschützen" organisierten sie eine eigene Verteidigung, die dann aber teilweise selbst wieder zu einer Plage wurde. Eine aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg überlieferte Chronik (Haßelfelde Chronicon) im Staatsarchiv Wolfenbüttel berichtet, dass in diesem Kriege insgesamt 47 von insgesamt 147 Wohngrundstücken verlassen und verwüstet wurden. Erst nach Ende des furchtbaren Krieges traten ruhigere Zeiten ein und die Stadt konnte sich langsam wieder regenerieren. Trotz der schweren Belastungen durch den Krieg reicht die Fürsorge um arme und alte Menschen bis in den Dreißigjährigen Krieg zurück.

Durch den Bau eines Hospitals, später auch als Siechenhaus (heute am Siechenberg) bezeichnet, um das Jahr 1700 wurde eine neue Qualität in der Sozialführsorge erreicht. In das Hospital konnten sich Einwohner von Hasselfelde und dem Amtsbereich mit einer symbolischen Summe für den Fall einer Invalidität oder im Alter einkaufen.
 
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